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Deutsche Presse……

13.07.1970

 

GRIECHENLAND / TOURISTEN

Unerhörte Orgien

Schwitzende Soldaten des Nato-Staates Griechenland pirschten sich auf felsigem Terrain zum feindlichen Lager vor. Hinter stacheligem Gestrüpp ging der Spähtrupp mit Ferngläsern in Stellung und beobachtete die gegnerischen Bewegungen.

Fremde Truppen hielten seit Beginn der neuen Saison eine versteckte Bucht auf der griechischen Ägäis-Insel Mykonos am Strand von Kalamopodi besetzt. Sie waren nicht uniformiert, sondern splitternackt.

Seit fünf Jahren ließ sich in jedem Sommer eine kleine FKK-Kolonie auf Mykonos nieder. Wohlwollend unterstützt von der ansässigen Geschäftswelt und der Nationalen Fremdenverkehrs-Organisation, bezogen in den vergangenen Wochen wieder einige Dutzend Nackte — unter ihnen die Film-Mimen Thomas Fritsch, Rex Harrison und Trevor Howard — ihre primitiven Schilfhütten auf Mykonos.

Griechenlands Kirche erklärte die Hüllenlosen zum Ärgernis. „Das Nudisten-Lager auf Mykonos ist eine Schandtat und ein Skandal“, protestierte Ende Juni die griechisch-orthodoxe Synode und forderte die in Athen regierenden Militärs auf, „dieser Beleidigung unverzüglich ein Ende zu bereiten“,

Die FKKler von Mykonos sind nicht die einzigen Angriffsziele des neuen Puritanismus in Griechenland, Religiöse Sektierer, Hippies, Gammler und andere „alitotouristes“ (zu deutsch: vagabundierende Touristen) werden von den Militärs aus dem Lande geekelt.

Bereits unmittelbar nach dem Putsch im April 1967 hatte Innenminister Stylianos Pattakos, aktives Mitglied der ultrakonservativen Organisation „Sotir“ („Die Retter“), ein Einreiseverbot für langhaarige und bärtige Touristen verhängt.

Später hob Pattakos den Bann über die „Vagabunden“ auf. Er brauchte sie, um die Touristik-Statistik aufzubessern: 1966 waren 1 131 730 Besucher nach Griechenland gereist, im Putsch-Jahr 1967 kamen plötzlich nur noch knapp 900 000.

Im Sommer 1968 durfte beispielsweise das 330-Tonnen-Schiff „Royal Scotsman“ in einem Hafen der Insel Korfu anlegen, An Bord befand sich der Begründer der Meditations-Lehre „Scientology“,

Lafayette R. Hubbard, mit etwa 200 Anhängern.

Korfus Geschäftsleute freuten sich über die 10 000 Mark, die sie jeden Tag einnahmen. Behörden und Kirche hingegen protestierten gegen das Schiff.

Als Moralapostel Pattakos von den „Scientology“-Meditierern auf Korfu erfuhr, ordnete er zwar eine Untersuchung an, zögerte jedoch lange, den Insulanern ihre monatelange Einnahmequelle zu entziehen. Erst im Februar 1969 fand Pattakos Anlaß zum Einschreiten.

Sekten-Chef Hubbard vermißte eines seiner Mädchen an Bord. Polizisten stöberten die Abtrünnige in einer Scheune auf — bei einer „strafbaren Handlung mit einem Korfioten“ (Pattakos). Zu Beginn der neuen Saison mußte das Schiff auslaufen.

Griechenlands Kirche fand ein neues Ärgernis, diesmal in den Höhlen der südkretischen Bucht von Matala, wo einst Apostel Paulus das Christentum verkündet haben soll. Dort hausten seit acht Jahren Scharen von Hippies aus aller Welt. Die Kreter amüsierten sich über das Höhlen-Volk und beschäftigten es bei der Weinlese. Kreter-Bischof Timotheos aber prangerte in einem Hirtenbrief den Hippie-Wallfahrtsort als einen „Herd sittlicher Verfäulnis“ an. Denn: „Die Bewohner haben jedes Schamgefühl verloren und veranstalten unerhörte Orgien.“

Pattakos, selbst gebürtiger Kreter, verteidigte die Kommune: „Die Kreter wollen sie haben“, erklärte er nach einem Besuch in seiner Heimat. Daß es mit der Verfäulnis nicht weit her sein konnte, bestätigte der Gemeindearzt. Er stellte in fünf Jahren keinen einzigen Fall von Geschlechtskrankheit fest.

Bischof Timotheos gab nicht auf. Von der Polizei ließ er auf dem Weg zu den Höhlen ein Schild aufstellen: „Ab heute ist der Aufenthalt in den Höhlen verboten.“ In der folgenden Nacht räumten Untergrund-Bewohner die Tafel weg.

Anfang Juli vorigen Jahres beschloß Polizeimajor Kolettis, die Höhlen-Menschen zu verjagen. Zusammen mit sieben Kollegen umzingelte er nachts die Hippie-Behausung „Mega Spiläon“. Von Haschisch inspiriert, so behauptete er, hätten die Höhlen-Bewohner Vogelgezwitscher nachgeahmt. Zwei Mädchen sollen in lesbische Liebesspiele vertieft gewesen sein. Ein Dutzend Zwitscherer mußte aus der Höhle in den Dorf-Karzer übersiedeln.

Einen Monat später verurteilte ein Gericht in Heraklion sechs der zwölf Angeklagten wegen Rauschgiftbesitzes zu Gefängnisstrafen zwischen sechs und 28 Monaten.

Trotzdem überstand die Hippie-Gemeinde die Strafaktion. Diesen Sommer wollten sich 5000 Hippies in Matala zu einem internationalen Kongreß versammeln.

Um die Invasion von Langhaarigen zu verhindern, trat die Synode der Kirche Kretas zu einer Sondersitzung zusammen. In einem Telegramm an Ministerpräsident Papadopoulos flehten die Kirchen-Männer, die Regierung solle das Hippie-Treffen verbieten, weil es das kretische Volk beleidige und dessen Sitten verderbe.

Diesmal blieb die Regierung nicht untätig, denn Griechenlands Touristen-Statistik hat sich eingependelt, und die „alitotouristes“ sind überflüssig geworden. Athen stellte den Hippies Mitte Mai ein Ultimatum: Innerhalb von zwei Wochen sollten sie ihre Behausungen räumen, weil die Matala-Höhlen unter Denkmalschutz gestellt worden seien.

Die Hippies ignorierten den Räumungsbefehl. Um internationales Aufsehen durch einen gewaltsamen Hinausschmiß zu vermeiden, änderten die Militärs ihre Taktik: Es dürfen nur noch jene Bewohner im Hippie-Paradies bleiben, die einen gültigen Paß und genügend Geld für den Lebensunterhalt besitzen.

Resignierend packten die Hippies ihre Habseligkeiten und verschwanden.

Griechenlands einziges Nudisten-Lager löste sich Anfang dieses Monats ebenfalls auf. „Gleich nach dem Verbot“, freute sich der Bürgermeister von Mykonos, „zogen die Nudisten ab.“

DER SPIEGEL 29/1970

Carey – with full intro

Österreicher in Matala.

Die straß’n ziagt sie so schnurgrad
wia zeichn’t mit an lineal
die sun is haß
und i hab saund in die schuach

ka bam in aussicht weit und breit
der mir an schatt’n spend’n kennt
mei schädl brennt
und i hab saund in die schuach

i hetz‘ mi ned, es is schee da herob’n
bis zum meer is no weit, aber i hab vü zeit
i bin unterwegs nach matala

dort soll’s so oide höhl’n geb’n
in denan a poa hippies leb’n
dort mecht i hin
und i hab saund in die schuach

es riacht nach ginster und jasmin
i g’spür die stille in mia drin
i fühl mi wohl
und i hab saund in die schuach

i drah mi um und von dort wo i kum
glänzt die stadt weiß und schdüh, aber i hab mei züh
i bin unterwegs nach matala

Georg Danzer (1946 – 2007) – „Matala“, LP/CD „Große Dinge“, 1995.

1967 besuchte Georg Danzer Kreta und Matala, damals war er noch ein unbekannter Musiker.
Er schrieb die Songs „Matala“ und „Murphy´s Law“

Ein Foto von Peter Skopik (Schlomo) von Georg Danzer (rechts.). Danke für das Bild an Arn Strohmeyer.

Auf Kreta traf er eine Amerikanerin, sie bewohnten gemeinsam eine Höhle in Matala.
Sie erzählte ihm erstmals von den Murphyschen Gesetzen. Eine hochinteressante Materie.
Sie verließ ihn bereits nach sechs Tagen wegen eines Australiers, das war seine Rettung.
Die beiden landeten wenig später im Knast wegen Drogenschmuggels.
Ha ha ! Murphy’s Law. Wenn was schiefgehen kann, dann geht es auch schief.

„Murphis Law“, 13 schmutzige Lieder, 2001.

es kommt immer anders als ma denkt
es kommt immer anders als ma denkt
es kommt immer alles anders
immer alles anders
alles anders als ma denkt

schaut’s mi an, huacht’s genau:
es geht immer schief, was schiefgeh kau
halt’s des ned für a geschwätz
des is ein naturgesetz
des haßt schlicht und afoch: murphy’s law

und des geht so:
wann was schief geh kann, dann geht’s a schief …

es is ned so afoch wia ma glaubt
es is ned so afoch wia ma glaubt
es is alles ned so afoch
alles ned so afoch
ned so afoch wia ma glaubt

owa jo, samma froh
weu so mancher wär ja sonst ned do
doch des schicksal macht gern witz
und schlagt zua als wia da blitz
des versteht ma unter murphy’s law:
wann was schief geh kann, dann geht’s a schief …

es kann alles no vü schlimmer wern
es kann alles no vü schlimmer wern
es kann alles no vü schlimmer
alles no vü schlimmer
immer no vü schlimmer wern

sowieso, holleroh
is doch scheh, daß ma a pech ham kau
weu ganz ohne mißgeschick
warat’s fad, aber zum glück
is verlaß auf mister murphy’s law
wann was schief geh kann, dann geht’s a schief …

sagt’s ned: mist, weu ihr wißt
einiges, was schiefgegangen ist
machert uns des leben schwer
wann’s ned schiefgegangen wär
dieser murphy war ein optimist