{"id":1808,"date":"2012-03-09T11:45:34","date_gmt":"2012-03-09T10:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.matala-kreta.eu\/?p=1808"},"modified":"2012-03-09T14:03:23","modified_gmt":"2012-03-09T13:03:23","slug":"deutsche-presse-1970","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/?p=1808","title":{"rendered":"Deutsche Presse&#8230;&#8230;"},"content":{"rendered":"<h5>13.07.1970<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>GRIECHENLAND \/ TOURISTEN<\/h1>\n<h2>Unerh\u00f6rte Orgien<\/h2>\n<div>\n<p>Schwitzende Soldaten des Nato-Staates Griechenland pirschten sich auf felsigem Terrain zum feindlichen Lager vor. Hinter stacheligem Gestr\u00fcpp ging der Sp\u00e4htrupp mit Ferngl\u00e4sern in Stellung und beobachtete die gegnerischen Bewegungen.<\/p>\n<p>Fremde Truppen hielten seit Beginn der neuen Saison eine versteckte Bucht auf der griechischen \u00c4g\u00e4is-Insel Mykonos am Strand von Kalamopodi besetzt. Sie waren nicht uniformiert, sondern splitternackt.<\/p>\n<p>Seit f\u00fcnf Jahren lie\u00df sich in jedem Sommer eine kleine FKK-Kolonie auf Mykonos nieder. Wohlwollend unterst\u00fctzt von der ans\u00e4ssigen Gesch\u00e4ftswelt und der Nationalen Fremdenverkehrs-Organisation, bezogen in den vergangenen Wochen wieder einige Dutzend Nackte &#8212; unter ihnen die Film-Mimen Thomas Fritsch, Rex Harrison und Trevor Howard &#8212; ihre primitiven Schilfh\u00fctten auf Mykonos.<\/p>\n<p>Griechenlands Kirche erkl\u00e4rte die H\u00fcllenlosen zum \u00c4rgernis. &#8222;Das Nudisten-Lager auf Mykonos ist eine Schandtat und ein Skandal&#8220;, protestierte Ende Juni die griechisch-orthodoxe Synode und forderte die in Athen regierenden Milit\u00e4rs auf, &#8222;dieser Beleidigung unverz\u00fcglich ein Ende zu bereiten&#8220;,<\/p>\n<p>Die FKKler von Mykonos sind nicht die einzigen Angriffsziele des neuen Puritanismus in Griechenland, Religi\u00f6se Sektierer, Hippies, Gammler und andere &#8222;alitotouristes&#8220; (zu deutsch: vagabundierende Touristen) werden von den Milit\u00e4rs aus dem Lande geekelt.<\/p>\n<p>Bereits unmittelbar nach dem Putsch im April 1967 hatte Innenminister Stylianos Pattakos, aktives Mitglied der ultrakonservativen Organisation &#8222;Sotir&#8220; (&#8222;Die Retter&#8220;), ein Einreiseverbot f\u00fcr langhaarige und b\u00e4rtige Touristen verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter hob Pattakos den Bann \u00fcber die &#8222;Vagabunden&#8220; auf. Er brauchte sie, um die Touristik-Statistik aufzubessern: 1966 waren 1 131 730 Besucher nach Griechenland gereist, im Putsch-Jahr 1967 kamen pl\u00f6tzlich nur noch knapp 900 000.<\/p>\n<p>Im Sommer 1968 durfte beispielsweise das 330-Tonnen-Schiff &#8222;Royal Scotsman&#8220; in einem Hafen der Insel Korfu anlegen, An Bord befand sich der Begr\u00fcnder der Meditations-Lehre &#8222;Scientology&#8220;,<\/p>\n<p>Lafayette R. Hubbard, mit etwa 200 Anh\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Korfus Gesch\u00e4ftsleute freuten sich \u00fcber die 10 000 Mark, die sie jeden Tag einnahmen. Beh\u00f6rden und Kirche hingegen protestierten gegen das Schiff.<\/p>\n<p>Als Moralapostel Pattakos von den &#8222;Scientology&#8220;-Meditierern auf Korfu erfuhr, ordnete er zwar eine Untersuchung an, z\u00f6gerte jedoch lange, den Insulanern ihre monatelange Einnahmequelle zu entziehen. Erst im Februar 1969 fand Pattakos Anla\u00df zum Einschreiten.<\/p>\n<p>Sekten-Chef Hubbard vermi\u00dfte eines seiner M\u00e4dchen an Bord. Polizisten st\u00f6berten die Abtr\u00fcnnige in einer Scheune auf &#8212; bei einer &#8222;strafbaren Handlung mit einem Korfioten&#8220; (Pattakos). Zu Beginn der neuen Saison mu\u00dfte das Schiff auslaufen.<\/p>\n<p>Griechenlands Kirche fand ein neues \u00c4rgernis, diesmal in den H\u00f6hlen der s\u00fcdkretischen Bucht von Matala, wo einst Apostel Paulus das Christentum verk\u00fcndet haben soll. Dort hausten seit acht Jahren Scharen von Hippies aus aller Welt. Die Kreter am\u00fcsierten sich \u00fcber das H\u00f6hlen-Volk und besch\u00e4ftigten es bei der Weinlese. Kreter-Bischof Timotheos aber prangerte in einem Hirtenbrief den Hippie-Wallfahrtsort als einen &#8222;Herd sittlicher Verf\u00e4ulnis&#8220; an. Denn: &#8222;Die Bewohner haben jedes Schamgef\u00fchl verloren und veranstalten unerh\u00f6rte Orgien.&#8220;<\/p>\n<p>Pattakos, selbst geb\u00fcrtiger Kreter, verteidigte die Kommune: &#8222;Die Kreter wollen sie haben&#8220;, erkl\u00e4rte er nach einem Besuch in seiner Heimat. Da\u00df es mit der Verf\u00e4ulnis nicht weit her sein konnte, best\u00e4tigte der Gemeindearzt. Er stellte in f\u00fcnf Jahren keinen einzigen Fall von Geschlechtskrankheit fest.<\/p>\n<p>Bischof Timotheos gab nicht auf. Von der Polizei lie\u00df er auf dem Weg zu den H\u00f6hlen ein Schild aufstellen: &#8222;Ab heute ist der Aufenthalt in den H\u00f6hlen verboten.&#8220; In der folgenden Nacht r\u00e4umten Untergrund-Bewohner die Tafel weg.<\/p>\n<p>Anfang Juli vorigen Jahres beschlo\u00df Polizeimajor Kolettis, die H\u00f6hlen-Menschen zu verjagen. Zusammen mit sieben Kollegen umzingelte er nachts die Hippie-Behausung &#8222;Mega Spil\u00e4on&#8220;. Von Haschisch inspiriert, so behauptete er, h\u00e4tten die H\u00f6hlen-Bewohner Vogelgezwitscher nachgeahmt. Zwei M\u00e4dchen sollen in lesbische Liebesspiele vertieft gewesen sein. Ein Dutzend Zwitscherer mu\u00dfte aus der H\u00f6hle in den Dorf-Karzer \u00fcbersiedeln.<\/p>\n<p>Einen Monat sp\u00e4ter verurteilte ein Gericht in Heraklion sechs der zw\u00f6lf Angeklagten wegen Rauschgiftbesitzes zu Gef\u00e4ngnisstrafen zwischen sechs und 28 Monaten.<\/p>\n<p>Trotzdem \u00fcberstand die Hippie-Gemeinde die Strafaktion. Diesen Sommer wollten sich 5000 Hippies in Matala zu einem internationalen Kongre\u00df versammeln.<\/p>\n<p>Um die Invasion von Langhaarigen zu verhindern, trat die Synode der Kirche Kretas zu einer Sondersitzung zusammen. In einem Telegramm an Ministerpr\u00e4sident Papadopoulos flehten die Kirchen-M\u00e4nner, die Regierung solle das Hippie-Treffen verbieten, weil es das kretische Volk beleidige und dessen Sitten verderbe.<\/p>\n<p>Diesmal blieb die Regierung nicht unt\u00e4tig, denn Griechenlands Touristen-Statistik hat sich eingependelt, und die &#8222;alitotouristes&#8220; sind \u00fcberfl\u00fcssig geworden. Athen stellte den Hippies Mitte Mai ein Ultimatum: Innerhalb von zwei Wochen sollten sie ihre Behausungen r\u00e4umen, weil die Matala-H\u00f6hlen unter Denkmalschutz gestellt worden seien.<\/p>\n<p>Die Hippies ignorierten den R\u00e4umungsbefehl. Um internationales Aufsehen durch einen gewaltsamen Hinausschmi\u00df zu vermeiden, \u00e4nderten die Milit\u00e4rs ihre Taktik: Es d\u00fcrfen nur noch jene Bewohner im Hippie-Paradies bleiben, die einen g\u00fcltigen Pa\u00df und gen\u00fcgend Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt besitzen.<\/p>\n<p>Resignierend packten die Hippies ihre Habseligkeiten und verschwanden.<\/p>\n<p>Griechenlands einziges Nudisten-Lager l\u00f6ste sich Anfang dieses Monats ebenfalls auf. &#8222;Gleich nach dem Verbot&#8220;, freute sich der B\u00fcrgermeister von Mykonos, &#8222;zogen die Nudisten ab.&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<p><a title=\"Griechenland - Touristen\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-44906401.html\" target=\"_blank\"><strong>DER SPIEGEL\u00a029\/1970<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.07.1970 <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p> GRIECHENLAND \/ TOURISTEN Unerh\u00f6rte Orgien <\/p>\n<p>Schwitzende Soldaten des Nato-Staates Griechenland pirschten sich auf felsigem Terrain zum feindlichen Lager vor. Hinter stacheligem Gestr\u00fcpp ging der Sp\u00e4htrupp mit Ferngl\u00e4sern in Stellung und beobachtete die gegnerischen Bewegungen.<\/p>\n<p>Fremde Truppen hielten seit Beginn der neuen Saison eine versteckte Bucht auf der griechischen \u00c4g\u00e4is-Insel Mykonos am Strand von <span style=\"color:#777\"> . . . &rarr; Read More: <a href=\"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/?p=1808\">Deutsche Presse&#8230;&#8230;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[207,199,11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1808"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1808\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.matala-kreta.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}